Boofen


Zur Erklaerung fuer die Nicht-Sachsen: Boofen ist der saechsische Begriff fuer eine spezielle Art des Biwaks, welche vor allem im Elbsandsteingebirge praktiziert wird. Boofen bedeutet, die Nacht im Freien zu verbringen, zum Schutz vor Regen oder Schnee wird eine Hoehle oder ein Sandsteinueberhang genutzt. Fuer mich gehoert (speziell im Winter) ein Lagerfeuer genauso dazu wie die Flasche Rotwein oder der Plausch mit Freunden.

Im Mai 1997 am Kleinen Zschirnstein (Mein erstes Boofen!)

Auf beiden Seiten der Grenze sind dabei deutliche Unterschiede im Boofenverhalten zu zu beobachten: waehrend im saechsischen Teil vor allem der Kletterer booft, um frueh seinen Weg zum Klettergipfel zu verkuerzen, so ist dies in Tschechien eher ein Hobby der Wanderer (bzw. Globetrotter trifft es vielleicht eher). Diese tschechischen Kameraden nennen sich in guter Westerntradition "Scouts", "Tramps" oder "Trapper". So ganz nebenbei: Die Boofengruppen mit denen ich immer so unterwegs bin, praktizieren die tschechische Variante des Boofens!

In der Aspirin-Boofe (Januar 2001)

Mittlerweile gibt es in beiden administrativen Teilen des Elbsandsteingebirges Nationalparks. Bis vor kurzem war Boofen im tschechischen Teil noch problemlos moeglich (d.h. zumindest toleriert). Seit September 2001 hat sich diese Situation drastisch geaendert.
Auch in Tschechien wiederholten sich die Vorgaenge, welche sich ein paar Jahre zuvor schon in Deutschland vollzogen hatten. Teilweise ausgebaute Boofen (welche seit Jahrzenten existierten) wurden in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen.
Die Boofenregeln sind nun prinzipiell die gleichen wie im deutschen Teil des Nationalparks: Boofen nur an ausgewiesenen Plaetzen erlaubt. Feuermachen ist (bis auf wenige Ausnahmen) untersagt. Damit wird sich das Boofen zwar nicht grundsaetzlich verbieten lassen, aber die unbeschwerten Zeiten sind wohl vorbei.
Willkommen in der EU. Reglemetierung und Restriktierung.

Im April 2001 an der "Fernblickboofe"

Auch im linkselbigen Teil des Elbsandsteingebirges (welcher keinen Nationalpark-, sondern nur Landschaftsschutzgebietstatus hat) versucht man die unliebsamen Gaeste zu vertreiben. Dort beruft man sich teilweise auf die sogenannte Hohlraumverordnung (Polizeiverordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Abwehr von Gefahren aus unterirdischen Hohlräumen (Hohlraumverordnung - HohlrV)). Nach § 2 dieser Verordnung ist das unbefugte Betreten von unterirdischen Hohlraeumen ohne behoerdliche Genehmigung verboten.
Aber:
Erstens koennen viele Boofen, die nur von einem Felsueberhang gebildet werden, beim besten Willen nicht als "unterirdischer Hohlraum" bezeichnet werden.
Und zweitens gilt §2 der HohlrV nur fuer Hohlraeume >50 m3. Und da gibt es auch nicht so viele Boofen, welche diese Kategorie erfuellen.
Also: Weitermachen!

Gorej, dorogoj kostyor! (Foto: Andreas Hantsch)

Zur Rechtfertigung der (deutschen wie tschechischen) Behoerden sollte man allerdings auch die Probleme benennen, die durch das Boofen entstehen - oder die Art wie einige Leute es auslegen.
So ist zum einen die Menge der Boofer überkritisch. Das Boofen scheint sich in der letzten Zeit zu einer Art "Trendsport" zu entwickeln. Ich bekam z.B. vor einer Weile Anfragen von einem Lifestylemagazin, welches ueber die Sachsische Schweiz, das Klettern hier und insb. das Boofen berichten wollte.
Aber auch das Verhalten einiger Boofer (Vermuellung der Boofen, Zerstoerung, Graffitti) kann in keinster Weise toleriert werden! Im Interesse (auch der ernsthaft am Boofen interessierten Personen) muss hier eingeschritten werden, damit uns diese Tradition weiter erhalten bleibt. Leider trifft es am Ende wie immer die Falschen.

Die "Meeresstrandboofe" im November 2000

Auch ich moechte an dieser Stelle noch einmal an die online vertretenen Boofer appellieren, nicht leichtsinnig Boofenkarten oder Lagebeschreibungen ins Netz zu stellen. Dies wiederspricht, wie Ihr wisst, nicht nur den Traditionen - sondern Ihr schneidet Euch damit irgendwann ins eigene Fleisch!

In der "Rodina" (Rodina heisst auf Tschechisch "Familie")

Silvester 2000 (Foto: Andreas Hantsch)

Silvester 2000 - das "Boofenradio" (Foto: Andreas Hantsch)

Boofenrunde

Und weils so schoen war - noch ein Bild vom Boofenfeuer


Im Exil

Tady je Posledni Kovboj v exile

Tisicovy kamen

Tisicovy kamen

Taschenspielerboofe


Feuerzangenbowle

Und nun noch was ganz spezielles: Das naechste  Foto zeigt die Zubereitung von Feuerzangenbowle. Diese gehoert fuer mich zu einem richtigen Winterboofen einfach dazu!
Wer jetzt nicht weiss was Feuerzangenbowle ist (schaeme er sich!), schaut sich am Besten einfach den gleichnamigen Film mit Heinz Ruehmann an.

Feuerzangenbowle


Und fuer die Nachahmer sei hier das Rezept der Feuerzangenbowle verraten:

Man nehme einen Topf mit einfachem Rotwein oder fertigem Gluehwein und erhitze den Inhalt (nicht kochen, da dann ein Grossteil des Alkohols verdampft). Danach lege man die Feuerzange auf. Ist eine solche Zange nicht vorhanden, kann man sich auch eine entsprechende Konstruktion selber basteln. Oft reicht ein schmales Stueck Holz oder Blech, welches als Auflage fuer den Zuckerhut ueber den Topf gelegt wird.
Als naechstes wird der Zuckerhut auf die Zange aufgelegt. Falls ein solcher Zuckerhut nicht erhaeltlich ist, kann man sich auch mit der entsprechende Menge Wuerfelzucker behelfen.
Nun giesse man Rum (Alkoholgehalt min. 54%) ueber den Zucker und zuende den Rum an. Der brennende Zuckerhut wird nun langsam schmelzen und in den Topf tropfen. Wenn der Zucker restlos in den Topf geflossen ist, kann man das Gebraeu trinken. Guten Appetit!
Vor dem Kochen koennen dem Wein auch noch verschiedene Gewuerze zugesetzt werden, besonders geeignet sind: Nelken, Zimt, Trockenfruechte und ein Beutel schwarzer Tee.

Zutatenliste:
- Rotwein oder Gluehwein, Menge abhaengig von den beteiligten Personen und deren Durst
- 1 Zuckerhut = 250 Gramm Zucker fuer ca. 3 Liter Wein oder bis zu vorgesuessten 5 Liter Gluehwein
- ca. 0,1 Liter Rum (Alkoholgehalt min. 54%) pro 1 Liter Wein
- Zimt, Nelken, Trockenfruechte, Beutel schwarzer Tee - nach Geschmack